• Mike Warp
    Mike Warp
    2018-06-13

    Ich empfehle euch Fischers klugen Beitrag dazu: https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-04/beleidigung-ehre-justiz-fischer-im-recht/komplettansicht

    Ansonsten sehe ich "Ehre" nur als Etikett für eine gesellschaftliche Auszeichnung die bei "Schande" aberkannt wird.
    Die wikipedia bringt es auf den Punkt: Zusammengefasst kann man Ehre als sozialen Zwang begreifen, den man als Bestandteil seiner eigenen Persönlichkeit begreift und verteidigt.

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  • Rene > yours truly <
    Rene > yours truly <
    2018-06-13

    Vielen Dank für den Tipp @Mike Warp - das ist eines der Wörter, bei dem ich die Wikipedia nicht als Quelle in Betracht gezogen hatte. Die Infos dort brachten mich auch auf neue Gedankenpfade. Supi.

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  • ravenbird@nerdpol.ch
    ravenbird@nerdpol.ch
    2018-06-13

    Was als Ehre und was als Schande empfunden wird kommt immer auf die Gesellschaft und die gesellschaftliche Prägung an. Sprich alles Mist!

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  • Mike Warp
    Mike Warp
    2018-06-13

    @yt: Die (deutsche) Wikipedia ist für mich nicht unbedingt eine seriöse Informationsquelle, aber in diesem Punkt pflichte ich ihr bei.
    Interessanter und gehaltvoller sind die Begriffe "Würde" und "Menschenwürde" über die es sich selbst zu Denken lohnt.

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  • herzmeister der welten
    herzmeister der welten
    2018-06-13

    in der heutigen gesellschaft vergisst man glaub ich leicht, wie wichtig es historisch war, als bürgerliche familie ruf und status zu wahren oder auszubauen. anpassung an gesellschaftliche normen der schicht, der man zugehört, war viel wichtiger als heute. propagieren der entsprechenden werte war ehrenhaft, abweichung davon schändlich. soziales auffangnetz gab's früher nicht so.

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  • Rene > yours truly <
    Rene > yours truly <
    2018-06-14

    @herzmeister der welten - Ja, da stimme ich dir zu. Das war sogar noch bis in die 60/70er Jahre in Deutschland sehr deutlich. Meines Wissens begann erst in den 60/70er in Deutschland die Scheidung (Trennung in der Ehe) ihren Schrecken zu verlieren und das zog sich das bis Anfang der 90er. Geschiedene Frauen waren auch ziemlich übel dran. Das war in Deutschland noch lange Zeit ein Schande. (So meine Beobachtung aus den 80er und 90ern)

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  • dorengba@diasp.eu
    dorengba@diasp.eu
    2018-06-14

    Hätte gerade das Gegensatzpaar von Ehrerbietung kontra Verachtung aufzubieten gehabt, die tatsächlich zumeist im verklemmten Doppelpack daherkommen, das eine selten ohne das andere, wo nicht durch explizite Aufmerksamkeit außer Gefecht gesetzt. Das zeigt mir dann wesentlich deutlicher den Charakter der menschlichen Haltung, die das trägt Kommt einer hingegen mir der Ehre daher, weiß er zumeist schon nicht mehr, wovon er überhaupt redet, noch viel weniger beim hier eingeführten Gegenstück der Schande.

    Da werden aus der menschlichen Haltung unter der Hand quasi objektivierbare Größen gezaubert, und der Umgang damit lädt sofort zum Absondern von viel heißer Luft ein, geeignet, Menschen zu verletzen und auseinanderzudividieren, wo es immer erst einmal angeraten wäre, genauer hinzuschauen, womit man es überhaupt zu tun hat: Wahrscheinlich mit der ganz normalen Korruptheit von ur-braven christilichen Hirnwindungen - aus denen sich vor allem die "große" Wiki speist, sobald es stattdessen um konkret Menschliches geht, das der aktuellen Bewertung geharrt hätte - als da der Diskurs aber sowieso kaputt ist, kann die nicht mehr geleistet werden. Um den Anschein von Erhabenheit zu wahren, muss auch Billigfutter reichen. Dem kommt die Schablonenhaftigkeit dann leicht entgegen.

    Andererseits gibt es natürlich wiederum das diplomatische Fahrwasser, den formalisierten Umgang, zur Pflege des Zeremoniells, wo der offene Diskurs für den direkten Umgang miteinander zu gefährlich wäre. Man darf dann aber nicht vergessen, womit man es zu tun hat. Wo man es mit Persönlichkeiten zu tun hat, die solcherlei Umang reflektierterweise im Angebot ihres Verhaltens haben, kann das transparent gehalten werden.

    Zum Kotzen dann aber, wenn die joviale Chose daherkommt, ganz im Fahrwasser von seit ewig schon anbiedernd kokettierenden Populismus, ganz auch im Stil des voraufklärerischen klerikalen Zinnobers, der zudem unter anderen Vorzeichen wieder in Mode kommt, wird bevorzugterweise die Selbständigkeit der Leute zu solch elementarem Inventar für den Umgang miteinander gerne zerschlagen.

    Schon gar, wo dann die herrschaftlich gesetzten Begrifflichkeiten die Richtschnur abgeben sollen, statt je persönlch zu erbringender Reflexion, die selbstherrliche begriffliche Vorgabe dann selbst wiederum rückprojeziert als ursächliche Weisheit in oberflächlicher Verkürzung. Krieg ist Frieden: Das kommt dann dabei heraus. Jeder weiß dann, was Ehre ist und jeder weiß dann, was Schande ist, und alle folgen blind und euphorisch, dem Fackelzug in der stupiden Masse, wo solche Richtschnur das Dikatat abgibt - wie sich einst, völkiisch gedacht, Faschismus (also, die mit den Fackeln) selbst definierte.

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  • Rene > yours truly <
    Rene > yours truly <
    2018-06-14

    @dorengba@diasp.eu
    Deinen ersten Absatz empfand ich, wie eine Beobachtung die ich schon selbst einmal erlebt hätte.

    Deine folgenden Sätze

    Wahrscheinlich mit der ganz normalen Korruptheit von ur-braven christilichen Hirnwindungen

    und alle folgen blind und euphorisch, dem Fackelzug in der stupiden Masse, wo solche Richtschnur das Dikatat abgibt - wie sich einst, völkiisch gedacht, Faschismus (also, die mit den Fackeln) selbst definierte.

    scheinen aber deine folgende Aussage:

    und der Umgang damit lädt sofort zum Absondern von viel heißer Luft ein, geeignet, Menschen zu verletzen und auseinanderzudividieren, wo es immer erst einmal angeraten wäre, genauer hinzuschauen, womit man es überhaupt zu tun hat

    zu kontakarieren. Vielleicht verstehe ich dich nicht richtig, weil du dir scheinbar Mühe gegeben hast, viele emotionale Informationen in wenigen Worten zu verdichten. Doch so bekomme ich sogar den Eindruck, dass du genau das Verhalten von Verachtung anprangerst, dass sich in deinen eigenen Worten wiederspiegelt. Ich räume ein, vielleicht tue ich dir damit unrecht, weil ich dich nicht richtig verstehe.

    Wenn ich auch selbst oft in die Falle tappe, zu verallgemeinern und Menschen in Sippenhaft zu nehmen, so denke ich doch selbstkritisch genug zu sein, ebend diesen meinen (vielleicht auch gerechten) Zorn nicht ausufern zu lassen. Ich glaube, Menschen oder auch ganz Personengruppen zu "verachten", würde bedeuten sie nicht mehr zu verstehen. Wenn ich sie verachte, kann ich sie ja wohl kaum "beachten" um die Ursache ihres (evtl. fehlgeleiteten) Weltbildes zu erkennen.

    In Momenten in denen ich meine Verachtung zum Ausdruck bringe, und das passiert mir auch nicht selten, drücke ich schon seit langer Zeit immer häufiger "nicht" den "Senden" button. Wenn ich es rechtzeitig bemerke, lösche ich meine "Worte des Zorns", **weil ich bemerkt habe, dass ich mich dann nicht besser fühle. **Und umgekehrt,_ ich fühle mich nicht gut, wenn ich mir durchlese, welche Verachtung Menschen für einander empfinden._

    Verachtung ist für mich der Beginn von Unverständnis, Missverständnissen und Entfremdung.

    Ich schreibe das wirklich nicht als Angriff, sondern als Selbstreflexion, weil es Menschen gibt, die nahe der Grenze meiner Verachtung verweilen. Und ich weiss, dem ist so, weil ich sie nicht verstehe und sie (in wenigen Fällen ich selbst) mir auch keine Gelegenheit geben wollen dies zu ändern. Doch bei all dem kann ich mir nur denken, dass sie verletzt sind. Von mir, von ihrer Umwelt und oftmals auch von sich selbst. So empfinde ich dann keine Verachtung mehr, sondern vielmehr eine Form von Mitleid. Es tut mir (mit) leid, wenn wir uns nicht verstehen.

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  • dorengba@diasp.eu
    dorengba@diasp.eu
    2018-06-14

    Gut. Ein kleines Missverständnis könnte darin bestehen, dass ich die Begriffe hier nicht einzeln nehme. Sich zu Ehre auszulassen, zu Schande, zu Verachtung, je für sich, ist reichlich endlos. Es war die Begriffspaarung, die Polarität, sozusagen, mit der Frage nach der Gewichtung, je welche Art Polarität man betrachtet, die mir aufgestoßen ist. Ehre gegen Schande gehalten, eröffnet eine Schiene, wo sich in meinen Augen eher Seltsames tummelt - ausgenommen auf diplomatischer Schiene, wo das geläufiges Handwerk ist, und als solches hoffentlich mit Bedacht gehandhabt.

    Geiäufigerweise, weil es mir diese Tage unterkam, schien mir der Kontrast zur anderen Polarität aufschlussreich, ausdrücklich Ehrerbietung als Vorgang dann gegen Verachtung als Vorgang zu halten, die sich beide im Alltag viel zu oft gegenseitig die Klinke in die Hand geben. Ständig mit differenzierendem Anschauungshorizont herumzulaufen ist reichlich anstrengend. Da ist die Klippe der Extreme in diesem Fall viel zu einladend, als dass man erwarten könnte, dass Leute großteils verlässlich quasi über den Dingen stehen. Nein, billiger ist es, entweder herumzuschleimen, oder aber, wenn die Kriterien dafür nicht zu erfüllen sind, welche auch immer, ins andere Extrem zu verfallen, und verächtlich herabzuschauen, wenn man es nicht lobpreisen kann, muss man es wohl verachten. Schwamm drüber. Nächstes Bier.

    Das ist lapidares Alltagsverhalten und der Appell, sich doch ein wenig am Riemen zu reißen und genauer hinzuschauen ist zugleich, kann man annehmen, in solider Übung - schon alleine, weil die ständige Projektion von Extremen eine Zumutung ist, die laufend auch der Korrekturen bedarf.

    In der Gegenüberstellung alleine von Ehre als abgehobenem Begriff, dann zu Schande, was in dem Fall den Kontext abgibt, dass daraus ebenso dann ein abgehobener Begriff wird, so wird aus der Polarisierung ein der Alltagewelt enthobenes Begriffsspiel mit einem moralischen Gut, dem damit sogleich der Geruch von etwas Schützenswertem zukommt. Damit rücken die Begriffe dann aus der direkten Erfahrungswelt hinaus in Gefilde, wo man Leuten wiederum leichter etwas vormachen kann, als da der konkrete Hintergrund für kritische Erwägungen nicht so gut verankert ist,

    Das ist eine Schwäche, die hervortritt, spätestens, sobald man so tut, als ob diese Begriffe als solche so etwas wie eine eigene Existenzform hätten. Man vergisst dann leicht, genauer hinzuschauen. Der Begriff Schande alleine wäre noch besser im Alltag verankert und könnte leichter gegengeprüft werden, aber mit der Paarung enthebt sich das und entschwindet leicht in nebligen Gefilden eines fernen Moralisierens.

    Und eben, indem das Terrain schwieriger wird, muss auch damit gerechnet werden, dass auf solcher Schiene die Unsicherheit ausgenutzt wird, und die Begriffe als fixe Instanzen verkauft werden, als Gallionsfiguren, hinter denen sich dann Menschen scharen sollen. Wer will dann schon widersprechen? Das ist das Terrain für populistischen Missbrauch, eben gerade im immer schon stets kriegerischen christlichen Abendland ständig strapaziert, als eins der Mittel, um Leute hinter irgendwelche Ziele geschart zu wissen.

    In der anderen Art der Polarisierung, Ehrerbietung als Verhaltensart, gegen konkrete Verachtung gehalten, alles in alltäglicher Übung, verringert sich diese Gefahr des Missbrauchs kraft gut verankertem breiten Erfahrungshorizont, wo man dann Leuten nicht garso schnell und billig etwas vormachen kann. Im normalen Alltag der stinknormalen Doppelmoral sieht man allerdings vorrangig die Ehrerbietung, als bare Münze im gesellschaftlichen Umgang (von Ósterreich aus gesehen, wo dies besonders schroff in Übung ist, steht die Hoffnung auf universelle Verösterreicherung der ganzen Welt in diesem Punkt weiterhin ungebrochen), und der Gegenpol der damit einhergehenden Verachtung wird unterschlagen und verheimlicht. Es sei denn, man hat gescheite Leute um sich. Das kann man aber nicht immer erhoffen.

    Anfügen sollte ich noch, dass ich eher dafürhalte, dass je der eigene Dialekt, um es so zu nennen, wie Menschen in verschiedenen Regionen gelernt haben, und es tradiieren, mit solchen Dingen umzugehen, hochzuhalten. Das macht einen der Pfeiler, wo dann ein Globalismus der austauschbaren Begriffswelten ziemlich rasch eine ziemlich jämmerliche Figur macht, wenn man es ablehnt, sich billig blenden zu lassen - gegen einen Internationalismus gehalten, wo Menschen aus verschiedenen Regionen eben solche Arten von Dialekt als gegenseitige Bereicherung annehmen können. Das schärft immer wieder den Blick und weckt eher die Aufmerksamkeit für die konkret entscheidenden Dinge.

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