• Ta Deus
    Ta Deus
    2018-09-28

    Was ist Vertrauen ?
    Welche Bedeutung hat Vertrauen für euch?
    Wie definiert ihr Vertrauen mit euren Worten?
    Gibt es für euch einen Unterschied zwischen Vertrauen und Glauben? Worin besteht er?
    Wo fängt für euch Vertrauen an?
    Wie sehr könnt ihr anderen Menschen Vertrauen?

    Ich beantworte das lieber en bloq statt Satz für Satz, wobei…

    Was ist Vertrauen ?

    Ich würde sagen Vertrauen ist, wenn man einer Person irgendein (positives) Verhalten in der Zukunft unterstellt, ohne dass man dafür irgendein Druckmittel oder sonstige Sicherheit hat.

    Ich hatte mir früher mal angewöhnt Menschen einfach immer (erstmal) zu vertrauen und Organisationen (z.B. Firmen, Staaten, Behörden…) ersteinmal zu misstrauen.
    Oder anders gesagt: Menschen müssen mein Vertrauen erst einmal verspielen, Organisationen müssen mein Vertrauen ersteinmal verdienen!

    In jüngerer Zeit habe ich aber bemerkt, dass dieser "Grundsatz" zwar nicht der schlechteste default ist, aber manchmal doch unpraktisch. Also wenn ich bei einem Versandhändler bestelle, dann muss ich ihm ggf. vertrauen, wenn ich Vorkasse bezahle, oder umgekehrt muss der Händler mir vertrauen, wenn ich "auf Rechnung" bestelle. Beiden steht im Falle des Missbrauchs natürlich der Rechtsweg offen, aber das ist ziemlich anstrengend XD

    Also im Kern handle ich noch immer danach, Menschen bekommen einen Vertrauensvorschuss, Firmen und Behörden müssen mir schon einen Grund oder Sicherheit geben. Menschen, die gerade eine Funktion in einer Organisation ausfüllen, sind logischerweise eine Grauzone. Und gelegentlich verstoße ich eben auch selbst dagegen, indem ich Leuten misstraue, die mir keinen konkreten Grund dazu geben (das basiert wahrscheinlich auf irgendwelchen Vorurteilen) oder ich vertraue einer Firma einfach mal, obwohl ich keinen besonderen Grund dazu habe (damit bin ich neulich aber auch mal auf die Fresse geflogen…)

    Diese Überlegungen und diese Handhabe beruhen unter anderem darauf, dass ich glaube, dass die Welt mit mehr Vertrauen besser funktioniert als mit mehr Misstrauen und… naja einer muss ja quasi anfangen und nen Vorschuss gewähren, sonst kann sich ja auch kein ordentliches Vertrauen aufbauen. Und das bin dann halt ich.

    Für dein erstes Szenario bedeutet das: Wenn die Person, der ich da vertrauen muss nicht gerade den starken Eindruck vermittelt, sie sei besonders vertrauensunwürdig, dann erfordert es einfach mal nix.

    Für dein zweites Szenario: Ich glaube ich würde versuchen der Person Sicherheit zu geben. Also z.B. rechtliche Sicherheit. "Hier ist mein Ausweis, das bin ich, schreib es dir ab, wenn ich dich verarsche kannst du mich anzeigen" (oder so). Oder ich biete irgendeine Art von Pfand an. Oooder ich versuche das Risiko für die Person zu minimieren, das kommt natürlich auf die Situation an, aber halt ein "du musst doch nur XY, dabei kann DIR doch erstmal nix passieren" irgendwie so.

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  • Günter
    Günter
    2018-09-28

    Vertrauen lateinischen credere ist das deutsche Wort für Kredit; Vertrauen ist ein sittliches Empfinden, dass nur in Gemeinschaften sinnvoll ist, da man nur Bekannten und Vertrauten aber keinen fremden Personen trauen kann.

    Der Philosoph Thomas Hobbes hatte offensichtlich Menschen ohne gegenseitiges Vertrauen vor Augen als er schrieb: lupus est homo homini, non homo, quom qualis sit non novit. = Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen, kein Mensch, wenn man sich nicht kennt.

    Auch Rousseau meinte der Mensch sei im Gesellschaftszustand ganz und gar nicht vertrauenswürdig. Daher seine Forderung nach Gemeinschaften, die sich durch wesentliche Beziehungen auszeichnen.

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  • Rene > yours truly <
    Rene > yours truly <
    2018-10-01

    @Deus Figendi -

    Für dein erstes Szenario bedeutet das: Wenn die Person, der ich da vertrauen muss nicht gerade den starken Eindruck vermittelt, sie sei besonders vertrauensunwürdig, dann erfordert es einfach mal nix.

    Ich denke auch. Vertrauen kann man nur verschenken. Und meine Erfahrungen damit sind zu über 90% positiv mit diesem großzügigen Einstellung.

    Diese Überlegungen und diese Handhabe beruhen unter anderem darauf, dass ich glaube, dass die Welt mit mehr Vertrauen besser funktioniert als mit mehr Misstrauen

    Der Meinung bin ich auch.

    Dass Menschen die häufig oder schwer "enttäuscht" wurden, sich einen Panzer anlegen, eine Strategie zum Schutz erscheint mir aber auch ebenso verständlich und nachvollziehbar.

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