• Ulli Gabsch
    Ulli Gabsch
    2019-08-01

    Da sind wir uns im Ziel schon mal einig, @Ravenbird. :D

    Das eigentliche Problem des Anarchismus ist, dass Du ihn nicht installieren kannst. Anarchie wird nur funktionieren, wenn sie von einer übergroßen Mehrheit - aus einem Selbstverständnis heraus - gewollt wird. Der Mensch muss hier in der Evolution leider noch einen weiten Weg gehen, um dort anzukommen. Denn nicht nur die "Beharrungskräfte des gegenwärtigen Systems" sind egoistisch denkend - auch der junge Afrikaner, der nach Europa will, tut dies aus gleichem Grunde. Und ich kann ihn da durchaus verstehen.

    Der Mensch muss langsam die (Selbst-)Erkenntnis erlangen, das dass Denken und Handeln im gemeinschaftlichen Sinne für ihn kein Nachteil ist. Und das wird aus Gründen seiner Biologie noch viele Generationen dauern.

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  • ravenbird@nerdpol.ch
    ravenbird@nerdpol.ch
    2019-08-01

    Würde man versuchen Anarchismus zu 'installieren' bzw. zu erzwingen, dann hätte man von Anfang an den falschen Weg eingeschlagen. Die Menschen müssen selbst erkennen, sich von dem was sie von klein auf eingetrichtert bekommen haben befreien. Das ist äußerst schwer. Das war selbst bei mir der ich von den gedanklichen Ansätzen gar nicht so weit weg war ein ziemlich schwieriger und langwieriger Weg. Und ich bin mir sicher, dass ich diesem Weg bisher alles andere als zu Ende gegangen bin.

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  • miller@diasp.de
    miller@diasp.de
    2019-08-01

    Ohne jetzt den Artikel gelesen zu haben.. "Die Plattform" ist ein wirklich idiotischer Name für solch ein Projekt. Ehrlich, mir kommen dabei nur blöde Assoziationen hoch.

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  • Hartmut Noack
    Hartmut Noack
    2019-08-02

    @Ravenbird sehe ich genauso: Anarchie ist keine Installation. Sie kann nur entstehen durch den schrittweisen Verzicht auf Herrschaft. Im Vergleich zu 1700 leben wir heute zum Beispiel in anarchischen Verhältnissen, was die öffentliche Selbstdarstellung angeht. Vor 300 Jahren war den allermeisten Menschen eine bestimmte Kleidung vorgeschrieben.
    Wenn eine anarchische Gesellschaftsordnung entsteht, wird niemand "Hurrahhh ab heute Anarchie" rufen, es wird einfach das ganz normale, alltägliche Leben sein in dem man einem Nachbarn begegnet, der einem(oder einer) erzählt, dass jetzt auch die Kriminalpolizei in der nächsten Metropole aufgelöst wurde. Und die Reaktion wird ein Schulterzucken sein und die Bemerkung: "Wurde auch Zeit, die haben doch seit 20 Jahren schon nicht sinnvolles mehr gemacht..."

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  • miller@diasp.de
    miller@diasp.de
    2019-08-02

    Ich möchte dazu mal ein Zitat von Charles Bukowski in die Runde werfen, das das Grundproblem IMO sehr gut beschreibt:


    "Wenn die Leute sich einmal selbst regieren, werden sie keine Regierung mehr brauchen. Bis dahin sitzen wir in der Scheiße!"


    Ich bin seit ca. meinem 16. Lebensjahr überzeugter Anarchist, aber war mir immer bewußt darüber, daß gesamtgesellschaftlich gelebter Anarchismus nicht möglich ist.
    Die meisten Leute sind einfach zu unfähig und faul, um selber umfassend genug Verantwortung und Bewusstsein für ihr Leben in einer solchen Gesellschaft zu übernehmen.

    Oder andersherum ausgedrückt: mit den meisten Menschen, mit denen ich nach wie vor umgeben bin, möchte ich keinesfalls in einer anarchistischen Gesellschaftsordnung leben (müssen). Sie sind schlicht zu unselbständig, gedankenlos, egoistisch und obrigkeitshörig.

    Es war und bleibt eine schöne Utopie für mich, die ich in meinem kleinen privaten Kreis ausleben kann. Aber daß sich ein anarchistisches Gesellschaftsbewusstsein entwickelt und durchsetzt, halte ich nicht mehr für möglich. Zumindest nicht in meiner Lebenszeit, und so wie es aussieht auch nicht mehr vor einem offensichtlich immer wahrscheinlicher werdendem Klima-Zusammenbruch. Was danach vielleicht passiert werden wir wohl nicht mehr mitbekommen.

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  • Rudolf Goldman
    Rudolf Goldman
    2019-08-02

    für mich gibt es eine anarchie (eher philosophischer begriff) und viele anarchismen (gelebte form die der anarchie so nah wie möglich kommen will).

    @Ulli Gabsch

    Das eigentliche Problem des Anarchismus ist, dass Du ihn nicht installieren kannst.

    das ist ja gerade der vorteil daran. sonst wäre längst ein selbsternannter überanarchist dagewesen und hätte versucht "alle menschen" unter sich zu bringen, was dann natürlich wieder kein anarchismus ist.
    anarchismus kann nur den rahmen für etwas bieten und ist keine ideologie oder konzept.

    Der Mensch muss langsam die (Selbst-)Erkenntnis erlangen, das dass Denken und Handeln im gemeinschaftlichen Sinne für ihn kein Nachteil ist. Und das wird aus Gründen seiner Biologie noch viele Generationen dauern.

    nein, der mensch wird nicht als arschloch geboren. wenn menschen mit viel liebe und empthatie erzogen werden, dann sind sie aufjedenfall für den anarchismus fähig. gab schon öfters in der geschichte anarchistische gemeinschaften. und momentan zwei (?) die dem mehr oder weniger nahe kommen. einmal die konföderale demokratie und einmal die zapatistas.

    @★Miller

    “Die Plattform” ist ein wirklich idiotischer Name für solch ein Projekt. Ehrlich, mir kommen dabei nur blöde Assoziationen hoch.

    warum? was meinst du?

    mit denen ich nach wie vor umgeben bin, möchte ich keinesfalls in einer anarchistischen Gesellschaftsordnung leben (müssen). Sie sind schlicht zu unselbständig, gedankenlos, egoistisch und obrigkeitshörig.

    dann hätte sich dieser anarchismus aber auch wieder vonsolbst erledigt.

    Es war und bleibt eine schöne Utopie für mich, die ich in meinem kleinen privaten Kreis ausleben kann. Aber daß sich ein anarchistisches Gesellschaftsbewusstsein entwickelt und durchsetzt, halte ich nicht mehr für möglich. Zumindest nicht in meiner Lebenszeit,

    sehe ich auch so. allerdings organisiere ich mich anarchistisch, damit die idee am leben bleibt und nicht vergessen wird. ich will das thema deshalb immer wieder ansprechen in meinem wirkungskreis, damit es nicht zu einem "krass, hat er gerade anarchismus gesagt?! hold my beer" kommt. sondern etwas ist wo sich dann mehr leute mit auseinandersetzen und ängste/vorurteile abbauen.

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  • ravenbird@nerdpol.ch
    ravenbird@nerdpol.ch
    2019-08-07

    @Miller: Ich kannte das Zitat noch nicht, kann ihm aber voll und ganz zustimmen. Ich habe mit dem Anarchismus zwar sicher nicht so lange zu tun wie Du, aber mit dem gesamtgesellschaftlich stimme ich Dir zu. Das funktioniert mit einer so großen Gesellschaft auch nicht. Deshalb ja auch der Ansatz des massiven Dezentralismus und der Betroffenheit. Allerdings mache ich dabei das Problem nicht so arg am Menschen an sich, sondern am System und der in der Gesellschaft tradierten Denke fest. Den klar wenn jemand unpolitisch aufwächst, ohne die entsprechende politische Kultur, dann ist es für ihn sehr schwer an dieser Prägung etwas zu ändern. Und klar kommt da auch noch der Faktor dazu das es bequem ist sich neben der kapitalistischen Frohnarbeit in die Privatssphäre zu verabschieden und die Politik auf andere abzuschieben über deren Versagen man sich dann mit aller Freude aufregen und beschweren kann. Ob da wirklich tiefgreifende Veränderungen möglich sind? Es ist schwer in einen System das die Menschen derart 'einwickelt' wie das unsrige. Deshalb denke ich das entsprechendes erst kommen wird wenn wir bzw. das gegenwärtige System gehörig gegen die Wand gefahren ist.

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  • Rudolf Goldman
    Rudolf Goldman
    2019-08-11

    @Ravenbird +1

    Deshalb denke ich das entsprechendes erst kommen wird wenn wir bzw. das gegenwärtige System gehörig gegen die Wand gefahren ist.

    das problem ist, daß leute dann aber auch zu mehreren seiten abhauen werden. deshalb ist aufklärung (nicht missionierung) über anarchismus so wichtig. ich will keine leute die überredet wurden und dann am punkt x so dermaßen enttäuscht sind, daß sie nicht mehr wiederkommen und dann zu irgendwelchen arschlöchern gehen.

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  • Ulli Gabsch
    Ulli Gabsch
    2019-08-11

    @Rudolf Goldman: +1!

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  • ravenbird@nerdpol.ch
    ravenbird@nerdpol.ch
    2019-08-11

    Da hast Du vollkommen Recht Rudolf.

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