• Ta Deus
    Ta Deus
    2019-08-18

    Wenn man Mal in die tatsächlichen Wahlen guckt, sieht es im Ruhrgebiet, von dem Sixtus hier ja schreibt aber ganz düster aus.

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  • Ta Deus
    Ta Deus
    2019-08-18

    Kurz rausgesucht, EU-Parlamentswahlen 2019:

    • NRW 8,5% AfD
    • Bochum 9,5
    • Dortmund 9,2
    • Duisburg 12
    • Essen 10,8
    • Gelsenkirchen 16,4
    • Herne 13,2
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  • Paula Gentle on Friendica
    Paula Gentle on Friendica
    2019-08-19

    @Paul Gehrke Ich behaupte nicht, dass die Situation rosig ist. Aber ich sehe da schon noch einen erheblichen Unterschied hierzu:
    \* 20,4 Sachsen-Anhalt
    \* 25,3 Sachsen
    \* 17,7 Mecklenburg-Vorpommern
    \* 22,5 Thüringen
    \* 19,9 Brandenburg

    Das sind ganze Bundesländer. Jedes einzelne davon liegt höher als der Spitzenwert in Gelsenkirchen.
    In diesen Bundesländern wird es ebenfalls Städte/Regionen geben mit großen Schwankungen. Wenn Gelsenkirchen in NRW mit 7% Durchschnitt die Spitze mit 16,4% ist, dann dürfte in Sachsen die Spitze irgendwo bei 60% liegen.

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  • Ta Deus
    Ta Deus
    2019-08-19

    na "die da drüben" sind ja auch irgendwie seltsam ;D

    Nee im Ernst, dass die Leute in den neuen Bundesländern ein bisschen anders ticken und das insbesondere politisch und parteipolitisch ist ja nun auch nichts Neues. Dort hat die Linke ja auch viel höhere Stimmanteile und als es die PDS noch gab quasi ausschließlich in den neuen Bundesländern.

    Aber eigentlich schweife ich/wir jetzt ein bisschen ab, der Sixtus schrieb ja dass das Narrativ von den perspektivlosen AfD-Wählern nicht stimmen würde sähe man ja in NRW wo die Kohle- und Stahlindustrie kaputt geht und Perspektivlosigkeit erzeugt und trotzdem hätte die AfD nur 7%. Und was ich meine is' halt: Ja aber genau da wo die Stahl- und Kohleindustrie kaputt geht und ging sind die Werte viel höher.
    Und du hast sicher recht, dass die Zustimmung im Osten generell höher ist und es möglicherweise Wahlkreise mit 60% gibt (whoa wie gruselig), aber vielleicht ist es dort auch besonders perspektivlos, keine Ahnung.

    Unterm Strich kann ich mich aber natürlich auch irren, der Erfolg im Ruhrgebiet (relativ zu NRW) muss natürlich nicht an einer vermeintlichen "Perspektivlosigkeit" liegen, es kann auch einfach daran liegen, dass dort viele Wähler Proletarier sind (anders als im Rheinland z.B.), die ja an sich auch schon im Prinzip AfD-Klientel sind. Oder dass hier auch ein Bildungs-Problem vorliegt. Also nicht dass der Ruhr-Pottler an sich ungebildet wäre, aber im Pott haben sie ernsthaft Schwierigkeiten ihre Bildungspolitik auf die Kette zu bekommen auch und insbesondere mit Einwanderer-Kindern, was freilich rechtspopulistische Kräfte befeuert.

    Also kann schon sein, dass der Sixtus recht hat und der AfD-Erfolg hängt nicht an "Perspektivlosigkeit" aber der Umstand dass die AfD in NRW "nur" 7% oder oder 8,5% erzielt ist kein direkter Hinweis darauf, weil NRW mehr ist als Stahl und Kohle. Ich wohne im schönen Lippe, hier ist Landwirtschaft groß, Möbelindustrie und Maschinenbau (und natürlich jede Art von Dienstleistung). Hier erzielte die AfD 9,6% wie in Bochum.
    Schlechter lief es für die AfD in Köln (6,8%) Düsseldorf (6,9%) oder Bonn (6%) typischerweise keine Wahlkreise die von dem Niedergang der Kohle- und Stahlindustrie schwer getroffen wären.

    Die Wahlkreise außerhalb Rhein&Ruhr haben meist AfD-Werte so rings um die 8,5%, die die Partei letztlich in NRW erzielte, also diese beiden Regionen scheinen schon die Extrema zu sein (man könnte jetzt auch eine Karte bauen, wenn das nicht schon jemand gemacht hat ^^)

    Alle Zahlen, die ich hier benutze beziehe ich btw. von https://bundeswahlleiter.de/europawahlen/2019/ergebnisse/bund-99/land-5.html auch die oben.

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  • juni_walet@pod.geraspora.de
    juni_walet@pod.geraspora.de
    2019-08-19

    Die hohen Raten an Rechtsradikalität im Osten lassen sich nicht ökonomisch erklären.
    Sie sind zum größten Teil ein kulturelles Ding, entstanden durch die Alibi-Entnazifizierung in der DDR, wo unter dem Teppich des Antifaschismus fleißig die alte Ideologie schwelen und an die jüngere Generation weitergegeben werden konnte.
    Dazu kommt die kulturelle Verarmung durch fehlende Zuwanderung und damit Heterogenität in Ostdeutschland. Die Fähigkeit neues kennenzulernen statt Angst davor zu haben war ja kaum gefragt. Dementsprechend haben die Leute dort halt lieber Angst wenn was anders wird.
    Und auch einen großen Part spielt einfach das typisch ostdeutsche Entitlement. Das hat in Ostdeutschland das ersetzt was im Westen der Nationalstolz war. Ossis haben ja die Eigenheit das, wenn sie wütend und ärgerlich genug sind, sie schon ab 3 Mann 'das Volk' sind.

    So kompliziert ist das alles nicht, und man kann so viel Gelder wie man lustig ist in die Landstriche pumpen. Gegen den Rechtsextremismus wird man damit nicht ankommen. Wenn man das Problem lösen will braucht man eine tiefgreifende Resozialisierung ganzer Gemeinden, die 70 Jahre lang im eigenen Saft schmoren konnten und jetzt unfähig zu normaler Interaktion sind.

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  • Joachim (moved to pod.dapor.net)
    Joachim (moved to pod.dapor.net)
    2019-08-19

    Man kann auch mal hier schauen, wie es bei den Kassenkrediten der Kommunen aussieht:

    https://makronom.de/kommunalfinanzen-schuldenbremse-wo-und-wie-deutschland-seine-infrastruktur-ruiniert-hat-32460

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  • Carsten Müller
    Carsten Müller
    2019-08-19

    @juni\_walet@pod.geraspora.de

    entstanden durch die Alibi-Entnazifizierung in der DDR, wo unter dem Teppich des Antifaschismus fleißig die alte Ideologie schwelen und an die jüngere Generation weitergegeben werden konnte.

    Uff inwiefern war das denn in Westdeutschland anders? Wichtige Teile der Gesellschaft wurden schnell bis gar nicht entnazifiert man brauchte ja die Leute. Deshalb ging die Jugend in den 60ern ja auch auf die Strasse Stichwort "Muff von 1000 Jahren".

    Dazu kommt die kulturelle Verarmung durch fehlende Zuwanderung und damit Heterogenität in Ostdeutschland.

    Da stimme ich dir zu, selbst der Kontakt zu den Gastarbeitern in der DDR war ja von der Staats- und Parteiführung nicht gewünscht und unterbunden/erschwert.

    Und auch einen großen Part spielt einfach das typisch ostdeutsche Entitlement. Das hat in Ostdeutschland das ersetzt was im Westen der Nationalstolz war. Ossis haben ja die Eigenheit das, wenn sie wütend und ärgerlich genug sind, sie schon ab 3 Mann 'das Volk' sind.

    Du meinst das Equivalent zum Bayrischen "Mia san Mia"? Das ist also auch keine Ostdeutsche Eigenheit...

    Wenn man das Problem lösen will braucht man eine tiefgreifende Resozialisierung ganzer Gemeinden, die 70 Jahre lang im eigenen Saft schmoren konnten und jetzt unfähig zu normaler Interaktion sind.

    Das trifft genau so gut auf Regionen in Bayern und Baden Württemberg zu wie ich aus eigener Erfahrung weis wo du schon fremd bist nur weil du nicht dort geboren wurdest. Einer meiner Nachbarn früher in Neu-Ulm hies in der ganzen Gegend nur "der Zugezogene", er war um die 60 und ist irgendwann mit seinen Eltern in den 50er Jahren dort hingezogen...

    Das Problem im Osten ist das der Westen kam und sich wie ein Besatzer und Befreier gebärdet hat. Der Ossi hat die friedliche Revolution selbst durchgeführt aber im Anschluss wurden Westdeutsche Politiker in die Spitzenpositionen gebracht, die Betriebe zerschlagen, Westdeutsche haben sich dabei die Taschen voll gemacht während der Ostdeutsche mit der gebrochenen Biografie im Arbeitsamt saß. Im Anschluss wurde er noch Privat mit Versicherungen und kaputten Autos über den Tisch gezogen. Und wenn er den Fernseher eingeschaltet hat wurde ihm was von "blühenden Landschaften" versprochen und erklärt das er die letzten 40 Jahre ja faul in der Gegend rum gesessen ist und man ihm erst mal das arbeiten erklären muss. Und für die Arbeit bekommt er im Osten weniger Lohn als im Westen. Als die Versprechen sich als Luftnummer rausgestellt haben hat er sich erst nur noch am Stammtisch drüber aufgeregt, später in der Protestwahl der Linken und im Anschluss daran gar nicht mehr gewählt und jetzt wählt er die Nazis von der AfD.

    Das Problem des Ostens ist der Umgang des Westens mit dem Osten. Und wenn man sich das mal verinnerlicht hat dann versteht man auch wieso der Extremismus hier auf fruchtbaren Boden fällt, für viele Wähler im Osten sind alle Politiker Lügner und Opportunisten. Die glauben nicht mehr an die Versprechungen der Politik deshalb glauben die auch das es "schon nicht so schlimm wird" wenn sie die AfD wählen und viele setzen sich auch gar nicht damit auseinander. Und die Politik hat das nicht verstanden, statt endlich mal Bundesweit für Glaubwürdigkeit zu sorgen wird einfach weiter gemacht wie bisher. Und wenn die Politik nicht langsam aufwacht dann ist der Osten nur der Anfang.

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  • juni_walet@pod.geraspora.de
    juni_walet@pod.geraspora.de
    2019-08-19

    "Uff inwiefern war das denn in Westdeutschland anders?"

    In Westdeutschland war Antifaschismus nicht angebliche Staatslinie.
    Die DDR hat sich immer als antifaschistisch dargestellt, Nazis gabs nur drüben und die einzigen Rechten die man hatte waren diejenigen, die für die Einheit demonstriert haben (weil sie damit ja Nationalisten waren).
    Deswegen wurde das Naziproblem in der Gesellschaft nie thematisiert, und eine Bewegung die den "Muff von 1000 Jahren" anprangert gabs damit auch nicht. Brauchte man ja angeblich auch nicht, weil Nazis immer die anderen sind.

    "Du meinst das Equivalent zum Bayrischen “Mia san Mia”? Das ist also auch keine Ostdeutsche Eigenheit"

    Nein, das meine ich nicht. Aus einer eher pluralen und städtischen Umgebung im Osten kommend war ich echt verwundert wie viel Weltoffenheit und Toleranz man in den hinterwäldlerischsten Gegenden in Bayern findet, wo seit 70 Jahren Pfarrer fleißig Hasspredigten halten und man außer Verwandte und Schafe vögeln keine Freizeitbeschäftigungen kennt.
    Aber irgendwann muss man halt realisieren das wir drüben fast alle xenophobe Spießer geworden sind, weil wir nie was anderes gesehen haben und uns gegenseitig bestätigt haben das wir durchweg links und damit die Guten sind, und das wir vor allem das Volk sind. Was natürlich ausschließt das irgendjemand der anders ist auch das Volk ist.

    Wenn das Problem die kapitalistische Behandlung wäre, würde man vor allem antikapitalistische Positionen unterstützen, und nicht die nationalistischen Ultrakapitalisten von der AfD.
    Aber es geht halt nicht darum wie unfair man es im Kapitalismus hat.
    Der Hass und die Angst vor allem das anders ist zieht sich im Osten tief durch alle politischen Lager, und damit ist es ein kleiner Schritt vom PDS-Wähler zum AfD-Wähler, solange ihnen versprochen wir das sie sich nicht ändern oder neues ertragen müssen.

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  • Carsten Müller
    Carsten Müller
    2019-08-19

    @juni\_walet@pod.geraspora.de

    Nein, das meine ich nicht. Aus einer eher pluralen und städtischen Umgebung im Osten kommend war ich echt verwundert wie viel Weltoffenheit und Toleranz man in den hinterwäldlerischsten Gegenden in Bayern findet, wo seit 70 Jahren Pfarrer fleißig Hasspredigten halten und man außer Verwandte und Schafe vögeln keine Freizeitbeschäftigungen kennt.

    Das hab ich leider völlig anders erlebt und auch die Erfahrungen aus meinem Bekanntenkreis sind da komplett anders.

    Wenn das Problem die kapitalistische Behandlung wäre, würde man vor allem antikapitalistische Positionen unterstützen, und nicht die nationalistischen Ultrakapitalisten von der AfD. Aber es geht halt nicht darum wie unfair man es im Kapitalismus hat.

    Nein es geht nicht um kapitalistische Behandlung sondern ein Gefühl der - vor allem älteren - das man schlechter Behandelt wird weil man aus dem Osten kommt. Das die eigene Biografie von vor der Wende auf einmal nichts Wert ist. Der Ossi an sich war ja auch während der DDR ein Kapitalist im kleinen unter der Oberfläche des Einheitsbreis und der Gleichmacherei wurde für harte D-Mark gearbeitet oder für Autoteile Erdbeeren und andere Produkte der Mangelwirtschaft getauscht. Der Kapitalismus und Egoismus ist im Osten genauso verankert wie in jedem Menschen.

    Der Hass und die Angst vor allem das anders ist zieht sich im Osten tief durch alle politischen Lager, und damit ist es ein kleiner Schritt vom PDS-Wähler zum AfD-Wähler, solange ihnen versprochen wir das sie sich nicht ändern oder neues ertragen müssen.

    Ja weil der Osten in den letzten 30 Jahren erlebt hat wie "die da oben/da drüben" ihnen vermeintlich irgendwas weggenommen hat und ihnen vorher versprochen hat das alles besser wird. Das Problem ist nicht die Mentalität des Ostens sondern das die Politik das eine verspricht und das andere tut und damit massiv ihre Glaubwürdigkeit verloren hat. Und da im Osten die Parteienbindung gerade mal höchstens 30 Jahre alt ist und dadurch nicht über mehrere Generationen in der Familie gewachsen ist fällt es ihm leichter sich auf entweder dem einen oder dem anderen Rattenfänger einzulassen.

    Und wenn man es genau nimmt dann ist dieses hüben und drüben denken auch nix anderes als der offene Rassismus und die Angst vor den Flüchtlingen und Ausländern im Allgemeinen. > entstanden durch die Alibi-Entnazifizierung in der DDR, wo unter dem Teppich des Antifaschismus fleißig die alte Ideologie schwelen und an die jüngere Generation weitergegeben werden konnte.

    Aber dieser Satz von dir ist meiner Meinung nach deutlich zu kurz gedacht und verharmlost das Problem im Osten.

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  • juni_walet@pod.geraspora.de
    juni_walet@pod.geraspora.de
    2019-08-19

    "Ja weil der Osten in den letzten 30 Jahren erlebt hat wie “die da oben/da drüben” ihnen vermeintlich irgendwas weggenommen hat und ihnen vorher versprochen hat das alles besser wird."

    Klaro, und weil sie wussten das das kommt haben sie vorher Fremdarbeiter in den Tod gehetzt und die Punkkultur zusammengekloppt. So ganz präventiv.
    Die Neonazirotten die es bei uns kurz nach der Wende gab sind nicht von 0 auf 100 aus dem Boden geschossen und auch wenn die Verschwörungstheorie hier auf fruchtbaren Boden fällt auch nicht importiert.
    Die waren vor der Wende schon da, aber nach der Wende war halt niemand mehr da der das Problem unter den Teppich gekehrt hat.
    Und auch die sind nur die Spitze des Eisbergs.

    Wie tief rassistische Ideologie in der ostdeutschen Kultur verwurzelt ist sieht man auch daran wie absolut gleichgültig der "normale Bürger" dem Tun der Neonazis gegenüber war und heute noch ist.
    Die juckts nur wenns schlecht nach außen wirkt, und auch dann ist es nur böse anti-ost Propaganda. Denn insgeheim denken sie das es schon die richtigen trifft.

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