• ayesnays@framasphere.org
    ayesnays@framasphere.org
    2021-04-23

    Also @benedict16b@despora.de hatte ja auch große Interesse an den Zahlen und Zusammenhängen gezeigt, aber irgendwie ist hier keine richtige Diskussion aufgekommen.
    Das Problem ist doch, dass wir zwei Faktoren mittlerweile bedenken müssen

    1. Die wirkliche Pandemie: Dazu hatte ich ja bereits mal einen Beitrag gebracht. Darunter verstehe ich die wirkliche Gefährlichkeit des Virus und seine Todesrate. Ich schließe mich da der Meinung in diesen Beitrag an. Wir haben eine Pandemie und sie ist so heftig wie seit Jahren nicht.

    2. Die Auswirkungen der Maßnahme. Wenn wir uns mal die Kurvenverläufe ansehen, dann erkennen wir keine scharfen Spitzen sondern eine ziemlich verbreiterte Kurve. Also das was immer als flatten the curve bezeichnet wird.
      Es kommt aber jetzt nicht auf die Höhe der Kurve an, sondern auf das Integral welches sie einschließt.
      Normalerweise haben wir bei natürlichen Verläufen immer einen hohen, aber dadurch auch kurzen Ausschlag.
      Viele Kurven da bei Euromomo zeigen aber einen sehr breiten Kurvenverlauf.
      Das bedeutet, diese Kurven sind Folge der Maßnahmen.
      Ein breiter Kurvenverlauf zeigt also eine Wirkung der Maßnahmen an. Aber die Wirkung im negativen Sinne.
      Hier sind alle Opfer untergebracht. Die Opfer des Virus, die Opfer der fehlenden anderweitigen Versorgung, die Opfer der Ängste und des Dauerstress, die Opfer der schlechten Ernährung und Gesundheit.

    Wenn wir uns jetzt mal die Kurven dort bei Euromomo ansehe. Das sieht man dort sehr gut, wie eine Pandemie in die Länge gezogen wird und damit immer mehr Opfer produziert. Ob dabei die Spitzen der Kurven so deutlich reduziert wurden, dass sich insgesamt ein positiver Effekt ergibt, darf an Hand dieser Graphiken dort eindeutig bestreitet werden.

    Stattdessen zeigen gerade die steigenden Zahlen in Osten oder auch in Griechenland, dass die Menschen mittlerweile vermehrt an den Folgen der Maßnahmen sterben.

    Was ich damit sagen möchte. Auch wenn Deutschland in März keine Übersterblichkeit zeigt, würde ich die Zahlen nicht als beruhigend interpretieren. Weil diese Maßnahmen töten.

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  • Christian Bredlow
    Christian Bredlow
    2021-04-23

    Möchte nur zur Sicherheit darauf hinweisen, dass die Kurve sich auf einen Zeitraum seit 2017 bezieht. Sie belegt damit vor allem, dass die Sterblichkeit kurzzeitig höher gewesen sein mag als 2019, aber nicht so hoch wie im Winter 2017/2018. Zumindest für Deutschland kann man also nicht von einem extremen Ausnahme-Ereignis sprechen.

    Khurram Wadee hat meinen anderen Beitrag mit der EU-Übersicht weitergeleitet und da kam auch gleich die Frage auf "warum". Ist es nicht so schlimm wegen der Maßnahmen? Zeigen Länder ohne solche Maßnahmen dass es da auch nicht schlimmer verlaufen ist? Ist da irgendwas verflacht worden? Man kann diese Fragen nicht seriös abschließend beantworten und auch Wissenschaftler können ein "Was wäre (gewesen) wenn" nicht abschließend beantworten. Risiken einschätzen und Vorkehrungen treffen ist eine politische Aufgabe, die selbstverständlich von einem kritischen gesellschaftlichen Diskurs reflektiert werden muss. Und dieser Diskurs sollte wieder anhand sachlicher Argumente wie solchen Kurven geführt werden. Mit welchem Verlauf auch immer.

    Hintergrund ist, dass mich heute morgen schon wieder jemand geblockt hat. Da wurde sinngemäß behauptet, mit 80.000 Corona-Toten sei das ein katastrophales Ausnahme-Ereignis. Ich habe entgegnet, dass meines Wissens grob gesagt um eine Million Menschen jedes Jahr in Deutschland sterben und dazu diese Kurve gezeigt, an der eben keine katastrophale Ausnahme abzulesen ist.

    Offensichtlich ist dies aber ein Widerspruch, den manche Menschen schon nicht mehr sachlich verarbeiten können, so dass sie gleich drastisch werden. Die Menschen sind im Hysterie-Modus. Das kann man ihnen nicht unbedingt übel nehmen. Es ist halt alles extrem jetzt. Ich möchte aber dafür plädieren, sich nicht vor faktischen Argumenten zu verschließen. Was man daraus ableitet, wie hoch man Risiken einschätzt, welche Maßnahmen man befürwortet, das ist ein anderes Thema.

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  • ayesnays@framasphere.org
    ayesnays@framasphere.org
    2021-04-23

    Absolut richtig was Du schreibst. @Christian Bredlow 🌿. Aber schau Dir doch mal Deine eigene Kurve oben an. Da sieht mensch doch sehr schön, wie auch in Deutschland die Kurve ab der 47 Woche ansteigt und erst wieder in der 8 Woche des neuen Jahr abflacht. Das ist kein typischer Verlauf, sondern das liegt an den Maßnahmen.
    Das Deutschland insgesamt keinen großes Netto-Effekt zeigt ist natürlich bemerkenswert, aber lässt sich auch erklären. Am Anfang hat der Lockdown noch keine so gravierende Folge gehabt wurde gut abgefedert und der Virus hatte hier auch erst später zugeschlagen und traf auf eine relativ gute Versorgung.
    Viele Menschen die später gestorben sind, wäre vielleicht auch ohne Virus oder Maßnahmen in diesem Jahr gestorben.

    Aber je länger der Ausnahmezustand weiter geht, je mehr Opfer fordert er auch in Deutschland. Das macht sich bislang netto vielleicht noch nicht so bemerkbar, aber das Jahr ist noch nicht um.
    Worum es mir geht. Statistik sind immer eine Sache die interpretiert werden müssen. Aber ich bin manchmal erschrocken wie wenig Wissen oder Denken die Leute haben.
    Es ist doch z.B. logisch, dass, wenn wie in Portugal oder England ein starke Spitze Kurve mit vielen Toten Auftritt, direkt danach eine Phase der Untersterblichkeit einsetzt. Die Menschen die in den einen Monat sterben, können ja nicht im nächsten Monat sterben.
    Und ich bin es auch Leid die Leute für ihr "Unwissen" in Schutz zu nehmen.
    Die Zahlen können auf keinen Fall die Maßnahmen oder jetzt sogar die Änderungen des Infektionsschutzgesetzes rechtfertigen. Aber wenn mensch sich das Leid der Kollateralschäden nur mal ansehen würde und zwar nicht nur in Deutschland oder Europa, sondern weltweit, dann ist das was wir hier machen absolute Ignoranz gegen das Leid von Menschen.
    Die Leute sind imaginär solidarisch ohne das es für die Effekte dieser solidarischen Handlungen die geringste Beweise gibt, sind dafür aber gegenüber unzweifelhaftes Leid ignorant.

    Oder anders: Jemand der heute an Covid19 stirbt wird dies wahrscheinlich mit oder ohne Maßnahmen tun, jemand der an den Kollateralschäden stirbt, tut dies ausschließlich aufgrund dieses Maßnahmen.

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  • Christian Bredlow
    Christian Bredlow
    2021-04-23

    Ich bin mit Dir in vielem einig. Ich glaube sogar, dass Menschen gerade aufgrund der Maßnahmen sterben (unterlassene Versorgung/Operationen, allgemeine Vernachlässigung, psychische Belastung und und), allerdings lässt sich das m. E. kaum beziffern. Das aus den Kurven herauszulesen erscheint mir auch spekulativ, was nicht heißt, dass Du mit Deiner Analyse nicht Recht haben könntest. Ich bin da unsicher und könnte das nicht richtig argumentieren.

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  • ayesnays@framasphere.org
    ayesnays@framasphere.org
    2021-04-23

    Hey @Christian Bredlow 🌿 ich möchte nicht Recht haben. Ich bin sogar der Meinung, dass ich alleine für mich, der Wahrheit sehr fern sein muss.
    Ist in der Tat vielleicht auch ein sehr eigenwillige Interpretation der Kurven meinerseits. Würde mich freuen, wenn da auch andere etwas zu schreiben würden.

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  • Christian Bredlow
    Christian Bredlow
    2021-04-23

    Recht oder nicht. Mein aktuelles Problem war halt viel gröber. Dass Leute offenbar weitgehend austicken wenn man ihnen eine solche Kurve zeigt, die denn auch gar nicht von Nazis gemacht wurde sondern von einer offiziellen Einrichtung, und die dann doch ziemlich offensichtlich belegt, dass sich hier eben keine sonderlich außergewöhnliche Sterblichkeit abspielt. Manche Menschen sind offenbar so hysterisiert, dass sie das nicht mehr sachlich verarbeiten und diskutieren können sondern nur noch die Schotten dicht machen. Wie will man mit solchen Leuten über diffizilere Analysen diskutieren, wenn sie sich schon dem ganz offensichtlich Belegbaren hysterisch verschließen.

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  • Christian Bredlow
    Christian Bredlow
    2021-04-23

    Weißt Du, die glauben einfach zutiefst, das sei die schlimmste Krankheit seit wir denken können, was man daran sehe dass die Menschen in Massen sterben, und wenn man ihnen zeigt, dass das anscheinend doch leicht übertrieben ist, drehen die einfach durch. Statt sich damit einmal sachlich auseinanderzusetzen, mit welchem Ergebnis auch immer, verspüren die offenbar einfach nur noch irgendeinen Schmerz und tiefen Hass auf den Boten. In meinen Augen wird diese Gesellschaft in Teilen langsam irre. Ich sag Dir das ganz ehrlich.

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  • ayesnays@framasphere.org
    ayesnays@framasphere.org
    2021-04-23

    Absolut richtig, aber soll mensch sich der Ignoranz fügen?
    Siehe Dir bitte mal die Kurven der Schweiz an, die scheinen ja im ersten Moment die KritikerInnen zu bestätigen. Aber nur um ersten Moment. Den ohne weitere Verschärfungen, einen die ganze Zeit viel lockeren Umgang, etc., sind dort die Zahlen auch von alleine drastisch heruntergegangen und danach sogar eine Untersterblichkeit.
    Wie dort die Nettobilanz aussieht weiß ich jetzt nicht und die SchweizerInnen demonstriere ja selber noch gegen die viel geringeren Maßnahmen.
    Es zeigt aber in jeden Fall, dass die Zahlen auch ohne Maßnahmen steigen und fallen. Aktuell steht die Schweiz vor allem im Vergleich zur Österreich gut da.
    Netto ist die Zahl der Toten aber noch höher.
    Und diese hysterischen Leute die Du ansprichst suchen ja verzweifelt alle Argumente welche ihre Angst bestätigt.
    Ich sage Dir aber, dass diese Leute GewinnerInnen dieser Situation sind.
    Das muss nicht finanziell sein. Viele genießen dieses 'runterkommen', sie reden sich das ökologisch schön oder was weiß ich. Sie haben keine finanziellen Einbußen und keine Sorgen. Sie handeln also im Grunde viel egoistischer, als die, denen sie es vorwerfen. Vielleicht auch genau deshalb?!.

    Ich habe in meinen Bekanntenkreis einige Leute, die eher MitläuferInnen sind. Richtige MaßrahmenbefürworterInnen kenne ich keine. Was diese Leute aber wirklich ignorieren ist die Tatsache, dass jegliche Kritik als rechts bezeichnen und damit diskreditiert wird.
    Weil sie sich selber kaum mit der Sache beschäftigen, sind sie wirklich der Meinung, dass nur Rechte da auf die Straße gehen. Sie weigern sich sogar andere Quellen zu kontaktieren. Aber das die Zahlen kein Grund zu Besorgnis sind, dass streiten sie nicht ab. Sie würden aber alles mitmachen, damit es bald wieder normal weitergeht. Das dieser jetzige Zustand noch lange anhält ist natürlich VT. Zur Zeit kannst Du an unseren Mitmenschen nur verzweifeln und das auch hier bei Dispora.

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  • ayesnays@framasphere.org
    ayesnays@framasphere.org
    2021-04-23

    In meinen Augen wird diese Gesellschaft in Teilen langsam irre. Ich sag Dir das ganz ehrlich

    Ja, bin ich voll bei Dir.

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  • Christian Bredlow
    Christian Bredlow
    2021-04-23

    Ja in der Tat, ich kenne viele Beamte und andere Leute, für die geht vieles bisher normal weiter, mit gewissen Einschränkungen hier und da, aber unter diesen sind doch viele, die nun auch glauben möchten, dass das schon alles seinen Zweck erfüllt. Und dafür nehmen Sie es denn auch gerne in Kauf, dass in der Behörde nicht mehr so viel Publikum ist und ihre Geburtstagsparty ausfallen muss. Damit sind die sich dann im Reinen.

    Ich kenne aber auch viele so wie mich, denen gerade die Existenz nachhaltig zerstört wird oder die andere Einschränkungen erleben, die das Maß des Vertretbaren längst überschritten haben. Und da schäumen viele vor Wut. Zumindest grantiges Unverständnis sehe ich da allenthalben.

    Es gibt also eine gesellschaftliche Spaltung, die zunehmend unvereinbarer erscheint. Vielleicht muss nur erst noch mehr kaputt gemacht werden, bis auch der letzte Beamte sich bereit fühlt, solche Kurven einmal nüchtern zu betrachten und für sich ganz persönlich zu überlegen, ob er das alles noch gerechtfertigt findet.

    Vielleicht reicht aber auch ganz stupide, sachliche Information. Das ist mir im Moment viel lieber als hitzige Diskussionen. Man bekommt ja solche Kurven, es gehen zunehmend Länder aus den Maßnahmen raus oder hatten nie welche. Und man kann zunehmend ganz trocken sagen: Kuck da. Ohne sich auf unnötiges Gezänk einzulassen. Nur: Kuck, da. Und dann sollen sie kucken oder es halt lassen, so lange sie es noch aushalten.

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  • ayesnays@framasphere.org
    ayesnays@framasphere.org
    2021-04-23

    Das ist ein öffentlich Beitrag, ich werde nichts persönliches schreiben.
    Aber Du erinnerst Dich an meinen Versuch hier die kritischen Leute zu sammeln?
    Er ist gnadenlos gescheitert. Zwei Rückmeldungen.
    Das ist es was mich echt auf die Palme bringt, die Leute meckern, aber machen alles mit.
    Glaube mir, ich bin persönlich noch relativ wenig betroffen, aber ich finde die Gesellschaft nur noch verlogen und befürchte, dass es viele Opfer (VerliererInnen) geben wird. Auch z.B. für solche Sachen wie den schönen Green New Deal usw. Ich setze mich also für meine Überzeugung ein. Genau das tun andere Menschen nicht. die tragen wirklich alles und zwar mit Fassung. Ich bin echt sprachlos.

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  • Christian Bredlow
    Christian Bredlow
    2021-04-23

    Ja, ich weiß welchen Post Du meinst. Und ich muss gestehen, dass auch ich da irgendwann kläglich rausgefallen bin. Insofern möchte ich doch plädieren, dass viele Menschen vielleicht mehr open-minded und gutwillig sind, als das hier manchmal scheint ;-)

    Das ist auch eine Zeitfrage, wo man sich wie weit einklinken will. Allein das Stream-Sichten kann ewig dauern, wenn ich das ordentlich machen will. Da sind gute Texte verlinkt, Diskussionsfäden öffentlich oder privat, PMs -- ich könnte Stunden nur mit Lesen zubringen. Und bei manchen Strings, oft halt auch bei Deinen -- wenn sich da zwei, drei Leute mit Dir in eine tagelange Debatte verstrickt haben, kostet es mich schnell eine Stunde Arbeit mit Lesen und Argumente Sortieren, da sachdienlich wieder einzusteigen. Oft lege ich mir das dann in einen extra Browser-Tab, damit ich mich damit befassen kann, wenn es ruhiger ist. Und dann ist es plötzlich halbzwölf und ich klicke das wieder weg. Nicht böse sein.

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  • ayesnays@framasphere.org
    ayesnays@framasphere.org
    2021-04-23

    @Christian Bredlow 🌿: Ich wollte da ja eigentlich nicht so viel Theorie machen, sondern ich wollte uns zusammenbringen. Vielleicht war es ein Fehler das mit der Fragen nach den Protest der Linken in dieser Krise zu verbinden.
    Eigentlich wollte ich so etwas wie eine Interessengruppe schaffe, welche sich gemeinsam gegen diese Diffamierung auch hier bei Diaspora einsetzt und einen offenen Dialog der sozialen Fragen fordert.
    Der Witz an der Sache ist ja, dass die Leute welche da vorgeben die alten und Schwachen zu schütze, dass durch nichts belegen können. Es ist doch viel einfacher Ihnen das Leid genau dieser Gruppe entgegenzuhalten.
    Manche meinen da ihre eigene Gesundheit, die sie in großen Garten und in einer intakten Familie pflegen. Andere meinen damit ihre 60jährige Oma, die noch sehr rüstig ist und die sie regelmäßig besuchen oder mit der sich per Stream verbunden sind.
    Wer meint aber die vereinsamten Leute in den Heimen oder den Bruchbuden dieses Landes? Wer meint die süchtigen oder suchtgefährdenden Menschen. Wer meint die Kinder aus zerrütteten Familien? Wer die misshandelten Kinder, deren Misshandlung keiner sieht. Wer die misshandelten Frauen oder Jugendlichen. Wer meint die Jugend welche das Kennenlernen der ersten großen Leibe verwehrt wird. Wer meint die vielen LebenskünstlerInnen, die ohne amtliche Hilfe sich irgendwie durchgeschlagen haben. Wer meint dieillegalen Menschen?
    Der Grund warum ich das als "Volksgesundheit" bezeichne liegt auch in dieser imaginären Solidarität. Es geht nur um Zahlen, es ist ein Zahlenfetisch, aber es geht immer nicht um wirkliche Schicksale von Menschen.

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  • Christian Bredlow
    Christian Bredlow
    2021-04-23

    Du hast vollkommen Recht mit der Aufzählung unterschiedlicher Bevölkerungsteile. Früher, als ich noch Journalist war, hätten wir gesagt: "Geh doch mal da hin. Lass die Leute doch mal erzählen, wie das jetzt ganz praktisch bei ihnen aussieht." Wenn Du dafür eine Öffentlichkeit hier herstellen willst, könnte man mal kucken, was man dazu im Netz findet. Oder aus dem eigenen Umfeld was zeigen.

    Eine Gruppen-Funktion gibt es ja auf d* nunmal leider nicht. Habe ich das mal als Anregung gelesen?

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  • ayesnays@framasphere.org
    ayesnays@framasphere.org
    2021-04-23

    @Christian Bredlow 🌿- Ja, ich war früher immer ein Gegner dieser Funktion, weil sie so etwas Ausgrenzendes hat. Aber mittlerweile müsste ich darüber noch mal nachdenken.
    Aber ich glaube wirklich, dass hier kein Interesse daran besteht, Am Anfang gab es hier mal die Idee, dass jeder eine Art persönliches Tagebuch macht. Das müssen nicht nur eigene Erfahrungen sein, sondern auch beobachtete. Einige Leute die da noch zugestimmt haben, haben sofort den Schwanz eingezogen, als die ersten Anfeindungen gekommen sind.
    Schau Dir doch mal die Aktion "allesdichtmachen" an, da sind ja auch schon einige SchauspielerInnen in Erklärungsnotstand geraten.
    Ich finde das fast noch schlimmer als gar nicht erst mitzumachen. Weil das demoralisiert wirklich alle, auch die, welche mitmachen, weil sie die Macht der Ausgrenzung zeigt.
    Meine Idee war es doch gerade, sich selber Mut zumachen, durch die kleine Gemeinschaft von Leuten, die es ebenso kritisch sehen.
    Aber wahrscheinlich ist es für mich ohnehin einfacher, weil ich noch nie etwas darauf gegeben habe, was andere über mich denken, wenn wenigstens ein paar mich verstehen.

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  • Christian Bredlow
    Christian Bredlow
    2021-04-23

    Wie war denn genau diese Tagebuch-Idee gedacht?

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  • ayesnays@framasphere.org
    ayesnays@framasphere.org
    2021-04-23

    Ein bestimmter Tag und dazu dann eine tägliche oder wöchentliche Story, je nach Anzahl der TeilnehmerInnen hier abwechselnd zu veröffentlichen. Es wurde natürlich auch noch überlegt, diese außerhalb von Diaspora zu sammeln und dann hier zu verlinken.
    Aber es blieb bei der Idee, am Anfang solle jeder für sich ein eigenes persönliches Tagebuch führen um dort erst einmal für sich die Sachen zu sammeln.
    Z.B. wäre ja auch ein total langweiliger Tag im Bett, der sich ständig wiederholt ein klares Statement.
    Als die Idee aufgekommen ist, war dies auch als persönliche seelische Maßnahme gedacht, um mit der Sache fertig zu werden, und als späteres Zeitdokument.

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  • Christian Bredlow
    Christian Bredlow
    2021-04-23

    Das wirkt vielleicht so ein bisschen verpflichtend. Neulich hat Helmar Wodtke eine live-Berichterstattung aus der Küche gemacht, das fand ich ganz witzig. Eine liebe "Brieffreundin" berichtet mir schon mal, was gerade im Film passiert und ähnliches. Das sind manchmal dutzende Nachrichten pro Tag -- so wie halt gerade die beiderseitige Laune ist. Als Verpflichtung könnte ich mir vorstellen, irgendwann die Lust zu verlieren.

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  • ayesnays@framasphere.org
    ayesnays@framasphere.org
    2021-04-23

    Die Idee war ja auch noch nicht richtig ausgereift, aber ich wollte Dir damit etwas anderes verdeutlichen.
    Die Idee war nicht von mir, weiß gar nicht wer da alles beteiligt war.

    Wichtig ist aber folgendes. Diese Sache wurde angefeindet und plötzlich haben sich Leute distanziert, mit denen mensch vorher noch gesprochen hat.
    Du würdest sage, verständlich, weil Du möchtest ja keinen etwas böses, aber genau das ist es, was eben anderen Menschen "Gewalt" antut. Deshalb auch meine Meinung über Elvis.
    Jetzt schaue Dir aber noch mal diese Aktion der SchauspielerInnen an. Wenn sich jetzt plötzlich nach der Kritik, aus der Öffentlichkeit einige davon wieder distanzieren, dann bedeutet dies was?
    Richtig, die Leute die weiter am Ball bleiben, werden dadurch erst Recht zum Abschuss freigegeben. Das ist also keine passive Haltung mehr, dass ist absichtlich Diffamierung durch Distanzierung.
    Aber das ist ja nicht nur hier so.
    Die Leute glauben immer sich neutral zu verhalten, wäre besonders friedlich, aber genau das Gegenteil ist wirklich der Fall.
    Ohne diese neutralen MitläuferInnen würde Faschismus nie funktionieren. Deshalb sind für mich gerade sie die wahren TäterInnen.
    Denn es gibt immer nur wenige Leute, die aus Überzeugung handeln, aber die große Mehrheit ist einfach scheinbar neutral und unterstützt dadurch die DespotInnen. Das ist übrigens hier auf Diaspora genau das Mittel der Wahl.
    Da gibt es nur ein paar Leute die Diffamierung, tausende die den Mund halten, sich aber nicht zu Schade sind, mit diesen Leuten, die da diffamieren, Katzenvideos auszutauschen und damit erst ihre Stellung zum Diffamieren stärken.
    Der ein oder anderen Person habe ich das schon in einer persönlichen PM freundlich so dargestellt, aber sie machen es dennoch.

    Und genau gegen diese Praxis wollte ich mich hier gemeinsam stellen.

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  • ayesnays@framasphere.org
    ayesnays@framasphere.org
    2021-04-23

    Hier noch mal zur Kampagne

    Vermutlich sind deshalb einige bereits wieder abgesprungen, andere sehen sich genötigt, sich in diversen Medien zu rechtfertigen.

    Quelle; https://freie-linke.de/freier-funke/2021/04/linke-solidaritaet-mit-mutigen-kuenstlern-der-satire-kampagne-allesdichtmachen#comment-349

    Das sind meiner Meinung nach die echten Arschlöcher. Kein Funken Anstand haben diese Menschen. Echt ekelig.

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  • Christian Bredlow
    Christian Bredlow
    2021-04-23

    Wir hatten das ja schon mal privat diskutiert. Ich sehe das nicht ganz so. Wenn jemand komisch reagiert, mich vielleicht sogar blockt, ist das vielleicht für den Moment schade. Aber es entsteht mir doch kein Schaden. Das wäre doch unter Umständen eher unangenehmer, ständig jemanden im Stream zu haben, der mir entweder nur auf den Wecker geht oder bei dem ich mich schlimmstenfalls verstellen müsste, um nicht in Ungnade zu fallen.

    Im Prinzip hast Du mit dem Mitläufertum natürlich Recht. Das sind in bestimmten Situationen auch Täter, gesamtgesellschaftlich in bestimmten Konstellationen eigentlich die Haupttäter, ohne die das alles gar nicht möglich wäre. Ich glaube aber, dass viele Mitläufer nicht wirklich böswillig sind. Sie versuchen, sich irgendwo reinzupassen, sich mit irgendwas zu identifizieren und eigentlich nur den vermutet geringsten Widerstand zu wählen. Mit "starken Positionen" erreicht man da meist nichts. Lieber versuchen, sie persönlich zu verstehen.

    Ich muss gestehen, dass mich manche Nutzer eher abschrecken, wenn sie sehr stark Meinungen vertreten, auch solche Meinungen, die sogar teils nicht weit von meiner Meinung sind. Aber ständig so ein aktivistisches Dauerfeuer zu lesen, ist mir dann unangenehm. Ich mag es gerne, wenn man mit Leuten ganz normal reden kann, über dies und das. Die Stärke des Charakters kommt zum Beispiel in strittigen Fragen zutage, ob sie dann auch noch "ganz normal" und sich selbst treu bleiben oder irgendwie ins Verlogene und hasserfüllte abknicken. Diese Stärke hat halt nicht jeder.

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  • ayesnays@framasphere.org
    ayesnays@framasphere.org
    2021-04-23

    @Christian Bredlow 🌿: Verstehe das einerseits schon, was Du sagst, aber gestatte mir die Nachfrage. Du bist gegen die Proteste? Du findest es O.K. wenn diese niedergeknüppelt werden? Du möchtest auch keine Verbesserung für die Kinder erreichen, oder so. Akzeptierst die Ausgangssperren?
    Nur möchtest also vielleicht nicht wirklich etwas dagegen tun, nur die Ursachen mildern?

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  • Christian Bredlow
    Christian Bredlow
    2021-04-23

    Nein, nein, doch, nein, doch/nein. Äh. Du hast mich falsch verstanden. Ich sehe aber derzeit meine Priorität nicht darin, mich mit irgendwelchen Bewegungen oder Parteien explizit zu solidarisieren, mich gar bei Demos mit Polizei zu prügeln. Ich rede derzeit lieber, versuche auch Fakten zu finden, zu verstehen und zu vermitteln, wo möglich.

    Das fing im engsten Freundeskreis an, als da die politisierten Emotionen hochzukochen begannen, langjährige Freundschaften darüber vorerst in die Brüche gingen -- Da habe ich festgestellt, dass mir und auch den anderen eine "entschlossene Relaxtheit" besser tut. Das hat auch Freundschaften gerettet -- und bewirkt, dass manche dieser anderen von ihrer Hysterie runtergekommen sind und wieder differenzierter denken und diskutieren. Die sind deswegen jetzt nicht in allem meiner Meinung, aber wir können offen reden. Hätte ich denen den wütenden Aktivisten vor den Latz geknallt, wären die nur weiter in ihre Hysterie abgeglitten.

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  • ayesnays@framasphere.org
    ayesnays@framasphere.org
    2021-04-23

    Klar da erkannt mensch Deine Reife. Aber hier bei Diaspora oder auch bei den Ausgangssperren, bei den Demos, etc. geht es nicht um private Beziehungen, sondern um klare Fakten welche tausende Menschen beeinflussen.
    Natürlich nicht bei Diaspora, da geht es nur um eine handvoll Deppen, welche ignoriert werden ;)

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  • Christian Bredlow
    Christian Bredlow
    2021-04-23

    Du hast vollkommen Recht. Und ich bin darüber ehrlich verzweifelt. Remember: Uns geht gerade unsere Existenzgrundlage flöten. Wir haben 17 Jahre hart daran gearbeitet, sechs Tage die Woche, früh bis spät. Jetzt sieht es zunehmend danach aus, dass das weitgehend für den Eimer ist und wir werden von Glück reden können, wenn wir irgendwann hoffnungsvoll von vorne anfangen dürfen. Und nicht mal das ist sicher. Ich könnte auch heulen wenn ich meine 18-jährige Tochter anschaue, was ich in dem Alter an für's Leben entscheidenden Erfahrungen gemacht habe -- sie sitzt weitgehend nur zu Hause rum. Ich könnte heulen. Sage ich Dir ehrlich. Aber was soll ich tun? Amok laufen?

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  • ayesnays@framasphere.org
    ayesnays@framasphere.org
    2021-04-23

    Amok laufen?

    Sicherlich nicht, aber:

    Es rettet uns kein höh’res Wesen
    Kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun
    Uns aus dem Elend zu erlösen
    Können wir nur selber tun!
    Leeres Wort: des Armen Rechte!
    Leeres Wort: des Reichen Pflicht!
    Unmündig nennt man uns und Knechte
    Duldet die Schmach nun länger nicht!

    Natürlich sollte mensch, wenn mensch mit etwas nicht einverstanden ist, seinen Protest gemeinsam äußern. Denn nur gemeinsam ist mensch stark.

    Aber lass mich noch mal etwas zur Situation heute sagen und mit dem Vergleich mit der Vergangenheit.
    Das Mitläufertum haben wir schon beschrieben, aber woher kommt dieser Hass von der anderen Seite?
    Die erste These von mir war ja die persönlichen Vorteile, seien sie finanzieller Natur und einfach nur eine andere, bewussteres eigene Lebenswiese.

    Meine zweite These, die Leute hoffen irgendwie das es weiter geht und nicht so schlimm wird. Sie haben sich schon mit den Verlust an Demokratie und Rechte abgefunden, hoffen aber, dass es sich bald normalisiert. Die Gegenbewegung ist da eher ein Zeichen von Ungewissheit. Wie wird das System reagieren? Wird es denn Gürtel noch enger schnallen. Wird es noch mehr Opfer verlangen?

    Dritte These. Die Leute haben selber Zweifel., sie trauen sich aber nicht gegen ihre Zweifel anzukämpfen. Sie nehmen die Verluste in Kauf und hoffen auf Besserung. Wenn jetzt jemand ausschließlich Zweifel äußert, fällt es schwerer die eigenen Zweifel zu überdecken. Deshalb muss mensch immer extremer die DissidentInnen bekämpfen um selber an das Richtige zu glauben.
    Die opfer dürfen ja nicht umsonst gewesen sein, dass würde einen ja desillusionieren. Deshalb bekämpft mensch mit den Hass auf die Dissidentinnen eigentlich nichts anderes wie seine eigenen zweifel.

    Vielleicht könnte mensch diese drei Thesen auch zusammenfassen, es gibt mehre Gründe warum dieser Hass entsteht und jeder ist für sich gesehen verständlich.

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  • Christian Bredlow
    Christian Bredlow
    2021-04-23

    Deine dritte These finde ich besonders naheliegend. Deshalb finde ich es auch potentiell besonders hilfreich, die Leute "da abzuholen" wo sie stehen. Besser, als ihnen irgendwelche Fronten vorzuspielen, nach dem Motto "Entscheide Dich: Mit mir oder gegen mich". Und, um ehrlich zu sein, bin ich selbst in vielem so unsicher wie sie selbst auch. Das ist mein "Gemeinsam" derzeit. Nicht der wütende Protest, sondern "Lass uns gemeinsam überlegen".

    Ich denke das hilft auch. Die Hysteriker, die mittlerweile schon bald jede Form von irgendeiner Kritik an der Regierung als Ausgeburt des Teufels anprangern wollen, sind doch für eine wachsende Zahl von Menschen längst nicht mehr diskutabel. Das jedenfalls mein Eindruck.

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