• (: aNNa :) blume
    (: aNNa :) blume
    2014-10-13

    ja das ist zweischneidig; professionelle Hilfe und Unterstützung ist da eben nur mit Diagnose möglich. Ich könnte mir Gesellschaftssysteme vorstellen wo das anders geregelt wäre - aber hier ist es so, dass Leute ja eher allein gelassen oder stigmatisiert werden, wenn sie Unterstützung brauchen. Wenn ich 'ne Bronchitis hab geh ich ja auch zum Arzt und lass mir helfen - warum dann nicht in einer Krise ?

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  • Psychotherapeutische Praxis Stein
    Psychotherapeutische Praxis Stein
    2015-06-19

    Herr Maier und seine "Fachgesellschaft" ignorieren dabei leider die Tatsache, dass Lebenskrisen die Ursache außergewöhnlichen Stresses (=Belastung) und damit Auslöser und Erhaltungsfaktor für behandlungsbedürftige "Störungen" darstellen. Sich bereits zu diesem Zeitpunkt therapeutisch damit auseinanderzusetzen, dient der "Solidargemeinschaft" absolut, denn das wäre endlich mal die notwendige Prävention, anstatt wie üblich so lange zu warten, bis später wesentlich teurere und langwierigere kurative Anstrengungen erforderlich werden.

    Wenn man natürlich in erster Linie kurzfristige Konsequenzen - in diesem Fall unmittelbare Kosten - fokussiert und sich über langfristige Konsequenzen gemeinschaftlichen Verhaltens keinen Kopf macht, kann man gut zu solch hanebüchenen Warnungen kommen.

    In der Tat könnte man sich natürlich Gedanken drüber machen, ob psychisches Leiden mit einem Krankheitsbegriff verbunden werden muss. Leider hat sich die "Solidargemeinschaft" aber entschieden, nur mit "Kranken" solidarisch sein zu wollen, sodass Hilfsbedürfige dazu gezwungen werden sich den Krankheitsbegriff zueigen zu machen. Wenn sie stattdessen einfach auch grundsätzlich "Hilfsbedürftigen" helfen würde, bräuchte man sich über "Pathologisierung" keine Gedanken zu machen. Aber Herr Maier macht in seiner Stellungnahme ja deutlich, dass es darum im Grunde nicht geht. Es geht ausschließlich um Geld. Solches, dass sein "Fachverband" evtl. lieber in den eigenen Pfründen verteilt sehen möchte, als es anderen Berufsgruppen und deren PatientInnen/KlientInnen in den Rachen zu werfen. Das ist Berufspolitik. Das Leid der betroffenen Menschen spielt bei diesen Verteilungskämpfen tatsächlich keine Rolle.

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  • Psychotherapeutische Praxis Stein
    Psychotherapeutische Praxis Stein
    2015-06-19

    Für Fach- bzw. Branchenfremde ist ergänzend vielleicht zu erklären, dass die DGPPN eine medizinische Fachgesellschaft ist, die ihre Prioritäten bereits im Gesellschafts-Titel ([...]für Psychiatrie und Psychotherapie[...]) herausstellt. Psychiatrie ist seit jeher ein Fachgebiet der Medizin, während die Psychotherapie seit Jahrzehnten sehr viel stärker durch die Psychologie geprägt ist. Diese Unterscheidung ist von Bedeutung, da sich hinter ihr traditionell sehr unterschiedliche Perspektiven auf Ursprung, Entwicklung und Behandlung psychischer Leiden verbergen. In den Entscheidungen treffenden Organen des Gesundheitssystems gibt es weiterhin eine unbestreitbare Dominanz der MedizinerInnen und der KostenträgerInnen (Krankenkassen), wodurch die Regeln des Systems klar durch eine medizinische Doktrin geprägt werden, in deren Rahmen sich die psychologische Psychotherapie ihren Platz suchen muss.

    Zwischen jüngeren VertreterInnen beider Professionen nehmen die Differenzen m.E.n. zunehmend ab und weichen einem deutlich höheren Maße an konstruktiver Kooperation im Dienste der PatientInnen. Ein Blick auf die politischen Gremien zeigt jedoch schnell welche Altersklassen weiterhin federführend bei der Ausgestaltung der "Solidargemeinschaft" sind.

    Ein schönes Beispiel für eine überkommene ärztliche Sicht auf psychisches Leiden demonstriert die kleine Anekdote aus dem Jahr 2013: Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) empfiehlt Alkholkonsum statt Therapie

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  • (: aNNa :) blume
    (: aNNa :) blume
    2015-06-19

    @Psychotherapeutische Praxis Stein - danke für diese ausführlichen Kommentare

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  • Psychotherapeutische Praxis Stein
    Psychotherapeutische Praxis Stein
    2015-06-19

    :-) Gern. Ist ein Herzensthema. Da könnte ich mich im Prinzip seitenweise zu auslassen ...

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  • digitus
    digitus
    2015-06-19

    @Psychotherapeutische Praxis Stein:

    Herr Maier und seine “Fachgesellschaft” ignorieren dabei leider die Tatsache, dass Lebenskrisen die Ursache außergewöhnlichen Stresses (=Belastung) und damit Auslöser und Erhaltungsfaktor für behandlungsbedürftige “Störungen” darstellen. Sich bereits zu diesem Zeitpunkt therapeutisch damit auseinanderzusetzen, dient der “Solidargemeinschaft” absolut

    Genau das habe ich in meinem Kommentar zur DGPPN-Verlautbarung doch geschrieben, oder?

    Und btw: Eine "Fachgesellschaft" ist so gut wie die Leute die sich darin engagieren. Die DGPPN war ein ungeheuer altmodischer und reaktionärer Haufen, doch das ändert sich gerade (wofür aber viele Zöpfe abgeschnitten werden müssen). Die Mitgliederversammlung beim Kongress 2014 war eine der vollsten und turbulentesten, die ich je erlebt habe, aber man muss sich halt aus der Deckung wagen. Die Ära Maier ist glücklicherweise vorbei, auch wenn er als past president noch weiter im Vorstand spuken darf. Iris Hauth und Arno Deister können als VersorgungspsychiaterInnen für frischen Wind bei den verkopften Universitätpsychiatern und -psychologen sorgen. Ich freue mich über jede/n der/die "Herzensthemen" in die DGPPN bringt.

    Sie mag schwerfällig sein, aber man kommt nicht um sie herum, wenn man in der "Psycholandschaft" was bewegen will ...

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