• derblaubaer@despora.de
    derblaubaer@despora.de
    2021-12-11

    Alles treffend und richtig geschildert. Nur woher kommt diese Kapitalismusverwaltung (unter anderem auch), sozusagen "da oben"? Weil die meisten Durchschnittsbürger, die auf der Gegenseite "da unten" auch gerne #geizistgeil praktizieren, und daran stört sich kaum jemand. #geizistgeil ist der andere große unsichtbare Teil des Kapitalismus, der das Karussell am laufen hält.
    In einer Demokratie kommen die "da oben" von "da unten" und nehmen diese Praktik gleich mit. Dabei freuen sie sich, dass sie endlich mal auf der anderen besseren Seite stehen und sich nun das irgendwie zurück holen können, was sie vorher scheinbar immer nicht kriegen konnten.
    Bitte nicht falsch verstehen: Dieser Kommentar ist kein Widerspruch sondern eine Ergänzung.

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  • BeatclubFC
    BeatclubFC
    2021-12-11

    Naja, ich möchte dir da nicht widersprechen, das es hier sowie in anderen kapitalistischen Staaten eine ausgeprägte #geizistgeil Mentalität gibt. Sie ist Teil der bürgerlichen Gesellschaft und wird spätestens seit Margeret Thatcher (für die es keine Gesellschaft, sondern nur die Interessen des Einzelnen gab) kräftig gefördert. Das ist Teil der neoliberalen Doktrin und wurde kräftigst gefördert. In GB begann das mit der Zerschlagung von Gewerkschaften und der industriellen Infrastruktur, die dazu führte das es keine gemeinsam gelebten Interessen der arbeitenden Bevölkerung mehr gab und gibt. Das kam nicht von alleine und vor allem nicht "von unten".

    Dein Argument läuft darauf hinaus, das z.B. das Pflegepersonal selbst schuld an ihren Arbeitsbedingungen ist, genauso wie prekär Beschäftigte etc.. Das stimmt einfach so nicht. Außerdem sind (meiner Erfahrung nach) diejenigen die jenes #geizistgeil am exzessivsten ausleben unter denen zu finden, die eigentlich genug haben und von dem #allegegenalle direkt oder indirekt profitieren.

    Daher finde ich es einfach zu simpel und vereinfachend, diejenigen die von den Krümeln der Wohlstandsgesellschaft leben (müssen) für ihre Lage selbst verantwortlich zu machen.

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  • derblaubaer@despora.de
    derblaubaer@despora.de
    2021-12-12

    Ich habe mit meiner Kapitalismuskritik nicht gemeint, dass das Pflegepersonal mit vermeintlich eigenem geizistgeil an den prekären Arbeitsbedingungen selbst schuld wären. Aber vielleicht geben sie wie viele andere dem ganzen Karussell Vortrieb beim Einkaufen oder sonstwo im Alltag.
    Nur mal ein paar einfache Beispiel, wo das auf jeden Fall passiert:
    - Paybacksystem braucht man als Verbraucher nicht wirklich, die paar Punkte oder Vergünstigungen sind nur ein Lockmittel und bringen nicht wirklich was. Es dient nur den beteiligten Verkäufern.
    - Jeder kann eine eigene webpage im Internet erstellen wenn er möchte. Wieso tun das immer mehr direkt bei Facebook und unterwerfen sich damit einem solchen fragwürdigen System?
    - Die Landwirtschaft als Erzeuger der Grundnahrungsmittel leidet bei uns und vor allem in der dritten Welt unter einem enormen Preisdruck und einer insgesamt verfehlten Agrarpolitik die unter anderem auch durch viel Werbung in den Supermärkten den Verbraucher zu #geizistgeil animiert. Durch Angebot und Nachfrage der Bioprodukte hat sich schon einiges verbessert, es bleibt aber insgesamt immer noch prekär.
    - Wieso kann man Immobilien fast nur noch über Makler kaufen, wobei der Käufer allein die gesamte Provision bezahlen muss? Hier hätten die (Privat)Verkäufer einen große Einflussmöglichkeit.

    Das sind nur wenige Beispiele, die zeigen, wie und wo Verbraucher/Käufer durch das eigene Verhalten Einfluss nehmen könnten, bzw. das Karussell mit am laufen halten.
    Damit wird insgesamt ein kapitalistisch-freundliches Klima mitbegünstigt, das sich auch quer auf andere Sektoren, wie auch das Gesundheitswesen, negativ auswirkt.
    #geizistgeil ist auch eine Folge von Werbung, die auf Geiz und Bequemlichkeit abzielt und nur mit dem entsprechenden Kaufverhalten so funktioniert.

    Was ich insgesamt ausdrücken möchte:
    Es wird in diesen Foren soviel zu Recht über alle möglichen Missstände geschrieben und geschimpft, wobei häufig die eigene Ohnmacht klar wird. Daher sollte sich im 2.Schritt jeder mal ernsthaft fragen, an welcher Stelle jede(e) selbst im Alltag Einfluss nehmen kann: Durch kontinuierliches und konsequentes angemessenes Verhalten. Erst dann erfüllen diese Foren durch den gemeinsamen Austausch ihren Zweck.
    Ein postives Beispiel sind die aufkommenden Biomärkte.

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  • BeatclubFC
    BeatclubFC
    2021-12-12

    Ja, sich selbst und seine Konsum und sonstige Lebensweise zu hinterfragen ist nix verkehrtes. Das sehe ich auch. Nur ändert es nichts an den herrschenden Ausbeutungsbedingungen. Menschen die auf Sozialleistungen angewiesen oder prekär beschäftigt sind können nicht super bewusst einkaufen, auch wenn sie wollten.

    Es gibt viele schöne Beispiele für ein besseres Leben (z.B. solidarische Landwirtschaftsgenossenschaften etc.), doch werden diese Geschichten Nieschenprodukte bleiben, solange sich an den Machtverhältnissen nix dreht. Es gehört zu den Verlogenheiten der bürgerlichen Gesellschaft, einerseits auf dem lokalen Biomarkt einzukaufen, aber über Reisen und andere Annehmlichkeiten (die man sich leisten können muss) im Endeffekt eine schlechtere Ökobilanz vorzuweisen, wie (jetzt mal flapsig formuliert) der Hartzer der seinen Formschinken und sein Dosenbier bei ALDI holt...

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