• benedict16b@despora.de
    benedict16b@despora.de
    2023-07-06

    "elcertifikaten" : Schweden hat ein System der finanziellen Anschubförderung der Windkraft. Den Betreibern der WKAs, die bis Anfang 2022 ihre Anlagen angemeldet haben, werden für jede MWh erzeugter Strom ein Zertifikat zugeteilt. Stromimporteure oder Stromproduzenten außerhalb der Erneuerbaren sind verpflichtet, für einen Teil ihres Stroms Zertifikate zu erwerben. Der Preis dieser Zertifikate wird am Markt ermittelt und ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Gegenwärtig sind es knapp 0.2 Cent / KWh. Im Jahr 2035 soll das Zertifikatsystem beendet werden.

    Im Folgenden einige Gedanken von meiner Seite:

    • die Aussagen zu den finanziellen Verlusten der WKA-Betreiber konnte ich im Internet nicht mit einer Suchmaschine verifizieren. Suchbegriffe: "vindkraft lönsamhet" und "vindkraft avkastning",

    • in Deutschland wird die Vergabe größerer Windkraftparks auktioniert. Die dabei vereinbarten Strompreise liegen gegenwärtig bei ca. 7 Cent / KWh. Allerdings werden nicht alle WKA-Lose ersteigert. Der Preis von 7 C / KWh ist anscheinend für die Investoren zu niedrig. In der Windkraft gibt es also anscheinend eine Abhängigkeit von ausländischen Investoren. Entwicklungshilfe auf Schwedisch? Oder auch eine weitere Abhängigkeit von China?

    • der Strompreis in Nordschweden mit seinen vielen WKAs, liegt meist unterhalb der genannten 7 Cent / Kwh. Die WKAs können also angesichts der niedrigen Zertifikatspreise nicht mit den deutschen Renditen rechnen,

    • für schwedische Investoren ist nach Internet die Realrendite der Windkraftparks meist zu niedrig. Es werden 3% und mehr angestrebt,

    • aus Sicht der Investoren bleibt bei dem schwedischen - und auch dem deutschen - Marktmodell die Hoffnung auf steigende Marktpreise, zu denen in Zukunft profitabel der Strom verkauft werden kann. Windkraft wäre demnach nicht "Billigmacher", sondern eine einflußreiche Kraft hinter steigenden Strompreisen,

    • bei umwelt- und gesundheitsrelevanten Belastungen, wie Verkehr, Industrie, Bebauung, werden oft die gesellschaftlichen Auswirkungen durch fiktive Kosten bilanziert. Bei Windkraft ist das nicht der Fall. Wieso eigentlich? In Deutschland wird zukünftig sogar die Möglichkeit der Gerichtsbarkeit beschränkt, wenn es um die Windkraft geht,

    • das Problem der fehlenden Sicherheitsleistung für den Rückbau der WKA und die Wiederherstellung des Geländes gibt es auch in Deutschland, desgleichen das Problem mit der umweltgerechten Entsorgung ausrangierter Rotorblätter,

    • WKAs könnten als Sinnbild des modernen, neoliberalen Finanzkapitalismus grüner und sozialdemokratischer Prägung gesehen werden: Global agierende Fondsgesellschaften, Aufgabenverteilung zwischen verschiedenen Akteuren unterschiedlicher Kompetenz, System kleiner schlanker Subunternehmen, Privatisierung der Profite und Vergesellschaftung der Kosten und Risiken. Geringes Risiko und angeschlossen an eine (grüne) Erfolgsgeschichte.

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  • Diggers
    Diggers
    2023-07-18

    Wow, vielen Dank für die ganzen Informationen.

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